Zustände im Sträßchen noch nicht mies genug?
FDP-Antrag zur Verbannung der Prostitution aus der Antoniusstraße wurde abgelehnt. Petra Müller: Die hygienischen Zustände dort sind nicht länger akzeptabel. SPD will die vorhandene Bordellzone aufs Nötigste eindampfen
Von Wolfgang Schumacher
Aachen. Die soziale Brisanz, die hinter dem Thema
Verlegung der Bordellnutzung aus der Antoniusstraße steckt, mochte niemand hören
im Planungsausschuss. Petra Müller begründete für die FDP ihren vor wenigen
Wochen gestellten Antrag (wir berichteten), dessen Ziel die Auflösung der
Bordellmeile am Parkhaus Büchel ist.
Müller will das Sträßchen radikal
an andere Stelle verpflanzen, damit es im Prostitutionsgewerbe dann
übersichtlicher, reinlicher und für die arbeitenden Frauen erträglicher zugeht.
Ein weiterer Nutzen: Die zentrale Innenstadtlage könnte nach dem Bau der
Einkaufs-Mall Bel Etage richtig aufgepeppt werden.
Für das Bordell
solle die Verwaltung einen geeigneten Standort suchen. Dessen Kennzeichen solle
erstens die Nähe zur Polizei sein, zweitens müsse das Grundstück städtisch sein,
damit die Behörden strengste Aufsicht führe können. Dann könne man Investoren
suchen, erklärte Müller ihren Plan. In der Standortfrage wollte sich die
Liberale nicht auf den Meter festlegen. Wer ein wenig Kenntnis besitzt, weiß
jedoch, dass es sich bei der im Ausschuss kundgetanen Ortsannäherung nur um ein
städtisches Gelände am Strangenhäuschen handeln kann, das sie anpeilt.
Bei jener Radikalkur wollen die anderen Parteien so richtig nicht
mitmachen, nur die Liberale selbst und Ratsfrau Renate Coracino hoben die Hand
für ein Ja. Die SPD mit Sprecher Norbert Plum setzt lieber auf ein Konzept,
das die Nutzung in der Straße von den Rändern zur Mitte hin eindampfen soll.
Doch auch das ist ein Fortschritt: Wir haben, meine ich, alle erkannt, dass
hier etwas getan werden muss, sprach Plum für die anderen mit. Man müsse eben vorsichtig daran gehen, war seine Devise.
Für die CDU bekräftigte
Sprecher Norbert Finkeldei, dass der liberale Vorstoß mit der Verbesserung der
Unterkünfte ein schönes Endziel sei, der große Wurf wäre schön, gehe aber
nicht. Hans-Dieter Schaffrath (FWG) warf den Kollegen Heuchelei vor: Seit zehn
Jahren wüssten sie alle, dass es dort so nicht weiter gehe, nichts geschehe.
Natürlich kam beim schlüpfrigen Thema auch Gelächter auf, Lasse
Klopstein (Die Linke) verlor sich in Spekulationen, welche sozialen Schichten
den Dienst der Damen dort häufig frequentieren er verzettelte sich.
Zuguterletzt empfahl Müller dem Ausschuss: Sehen Sie doch mal oben vom Parkhaus
Büchel auf die Häuser. Eine hygienische Katastrophe, das sieht man. Das sei den
Frauen ebensowenig zuzumuten wie die bekanntermaßen stattfindenden kriminellen
Übergriffe.
Die Ausschussvorsitzende Sabine Verheyen machte kurzen
Prozess: Das gehört in den Sozialausschuss und nicht hierher, meinte sie und
ließ abstimmen.






