Volksvertreter verteilten Speisen an Bedürftige
Berlin, den 30.11.2011Artikel auf www.berliner-blatt.de
Dieter Puhl ist der Leiter der Evangelischen Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo. Am legendären Ort, der es schon zu vielfachem Filmruhm gebracht hat. Erinnert sei nur an „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo.“
© Holger Kursikowski
Damals wie heute, der Bahnhof Zoo in Charlottenburg kann immer noch seine Schattenseiten darstellen. In der Jebensstraße wird das besonders deutlich. Die Berliner Stadtmission verteilt an Obdachlose Speis, Trank, Kleidung und man unterstützt die Bedürftigen, wo man kann. Natürlich muss ein nichtsesshafter Mensch auch mal den Friseur aufsuchen- kein Problem. Eine kleine Frisierstube ist in den Räumen der Bahnhofsmission zu finden. Der ein oder andere Wohnungslose nutzt die Räume der Bahnhofsmission als Zustellanschrift. Hierher senden Jobcenter, Krankenkassen, Verwandte und Bekannte die Post. Wie sonst soll ein auf der Straße Lebender an seine Briefe kommen? Dieter Puhl und seine zahlreichen Helfer, darunter viele ehrenamtliche „greifen unter die Arme“, wo sie können.
© Holger Kursikowski Der Leiter der Evangelischen Bahnhofsmission konnte jetzt zwei Mithelfer aus dem Deutschen Bundestag begrüßen. Die beiden FDP-Parlamentarier Petra Müller aus Aachen und Holger Krestel aus berlin-Tempelhof-Schöneberg schauten nicht nur vorbei, sie legten auch tatkräftig Hand an. Zuerst erklärte Dieter Puhl den beiden Volksvertretern nähere Einzelheiten. So erfuhr man, dass die Bahnhofsmission an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden lang geöffnet ist. Man gibt täglich bis zu 600 Essen aus. Versorgt werden um 5.000 Menschen. Dieter Puhl kann berichten, dass nicht jeder Obdachlose jeden Tag zu dieser Einrichtung kommt. An Tagen wie Heiligabend wird in mehreren Schichten Weihnachten gefeiert, damit auch wirklich jeder Wartende und Frierende ein Plätzchen bekommt. Oft steht man dafür 1-2 Stunden an. „Wir sind für knapp 50 Personen im Speisesaal ausgerichtet. An Heilig Abend und den Weihnachtsfeiertagen mache ich eine kleine Durchsage und die Kunden rücken eng zusammen und schon haben 65 Kunden Platz.“ Sehr wichtig sind ihm und seinen Mitstreitern, die oft stundenlang in der Kälte auf ein kostenloses Essen wartenden Menschen als „Kunden“ zu bezeichnen. „Wir erfahren aus Gesprächen immer wieder, dass auf der Straße lebende Menschen angefeindet werden. Da sind Begebenheiten wie Anspucken und das verächtliche Zurufen als „Penner“ noch harmlose Dinge. Immer häufiger werden Wohnungslose angegriffen, auch Morde hat es schon gegeben. Die braune Szene erkennt neben Migranten, Sinti und Roma und Juden auch Obdachlose als ihr Feindbild an.“
Die Küche am Bahnhof Zoo ist auf alle Wünsche auch eingestellt. „Es gibt unter den Obdachlosen auch Leute, die aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch essen. Vor knapp 15 Jahren hätte es einen hungernden und frierenden Muslim in Deutschland gar nicht gegeben. Ich stelle fest, die sozialen Netze und Kontakte in dieser Gemeinschaft passen sich immer mehr den hiesigen deutschen Gepflogenheiten an. Das Motto lautet auch hier: Sieh zu, wo Du bleibst. Nur wer was hat, ist was. Nur wer was hat, isst was.“ Eine Integration der besonderen Art halt. Dieter Puhl kann sogar Vegetarier satt bekommen. „Zum Glück sind die Berliner sehr spendenfreudig. Wobei: Jeder kann gerne auf unser Konto mit der Nummer 318 19 07 bei der Bank für Soziale Dienste gGmbH, Bankleitzahl 100 205 00, Empfänger: Berliner Stadtmission, einzahlen. Wir wollen noch 1.750 Schlafsäcke anschaffen. Der Winter kommt bald. Zu oft sind Menschen, auch in Berlin, erfroren.“
Die beiden liberalen Parlamentarier Petra Müller und Holger Krestel zeigten sich tief beeindruckt von den Leistungen der Bahnhofsmission. Die Aachenerin Petra Müller teilte gegenüber dem Berliner-Blatt mit: „ Herr Puhl und seine Helfer haben mich stark beeindruckt. Ich kann für meine Arbeit im Parlament mitnehmen, wie man aktive Hilfe gestalten kann und wie kann ich persönlich und jeder andere Bürger auch, aktive Hilfe gestalten.“ Der Bundestagsabgeordnete Holger Krestel kandidierte 2009 in Tempelhof-Schöneberg. Er sagte uns gegenüber: „Gerade als Berliner Abgeordneter interessieren mich alle Facetten des Berliner Lebens. Ich habe bei diesen Menschen hier gespürt, sie sind sehr dankbar dafür, behandelt zu werden. Wer betreut werden möchte, kann das hier zum Ausdruck bringen. Es wird aber niemand gezwungen, sich betreuen und bevormunden zu lassen. Das hat mich ebenfalls beeindruckt. Ich gebe meiner Fraktionskollegin Frau Müller vollkommen Recht, Herr Puhl und seine Mitstreiter leisten Großartiges."
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