Petra-Mueller-FDP

15.06.2010

Reisebericht aus China

Berlin, 14.06.2010 - Bǎi wén bù rú yi jiàn - Einmal sehen ist besser als hundertmal hören

W. Hermann, M. Lietz, U. Kumpf, ich,<br /> V. Bellmann, R. Sendker, U. Beckmeyer (von rechts) Bilder kann vergrößert werden
W. Hermann, M. Lietz, U. Kumpf, ich,
V. Bellmann, R. Sendker, U. Beckmeyer (von rechts)
Das Geräusch hört sich an, wie beim Öffnen einer Vakuumverpackung. So ein kurzes Zischen. Fast wie mein Dampfbügeleisen. Es dauert nur eine Sekunde und dann sind die Züge bei Tempo 400 aneinander vorbei gefahren. Zu spüren ist nichts, wenn die beiden chinesischen Transrapid sich auf der Hälfte der Strecke zwischen Flughafen und Innenstadt begegnen.

Der Transrapid heißt hier allerdings Maglev, fährt seit 2004 im Regelbetrieb und brachte unsere Delegation aus sieben Bundestagsabgeordneten nach Shanghai City...

Einen Beitrag von mir gibts auch hier im Blog der FDP-Bundestagsfraktion



Ich war als einzige FDP-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Stadtentwicklung mit dabei. Wir alle gehören zum Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und wollten uns in China vor Ort über neue Technologien der Verkehrs- und Wohnungspolitik informieren und austauschen. Zu diesem Zweck besuchten wir Infrastrukturprojekte, wie den Tiefseehafen von Liang vor den Toren von Shanghai und informierten uns beim Besuch der EXPO über Innovationen bei der Neugestaltung von Stadtvierteln unter klimaneutralen Bedingungen. Von Interesse waren insbesondere Konzepte zur Anbindung und Verknüpfung von öffentlichem und Individualverkehr. Weiter sprachen wir mit Vertretern der deutschen und chinesischen Automobilindustrie. Schwerpunkte der Treffen waren dabei die Entwicklung und infrastrukturelle Umsetzung von Elektromobilität; bei Vertretern der Stadt Peking vor allem um das Projekt  "10 Städte - 1000 Fahrzeuge", bei dem der Einsatz von E- und Hybridbussen im Vordergrund steht.

Offizielles Treffen mit politischen Vertretern in Shanghai Bilder kann vergrößert werden
Offizielles Treffen mit politischen Vertretern in Shanghai

 

Doch der Reihe nach: Noch waren wir im Transrapid und dessen Streckennetz soll, wenn es nach den Verantwortlichen in China geht, ausgebaut werden. Noch ist nichts entschieden, doch wenn der Zuschlag wieder an das Transrapid-Konsortium ginge, wäre das für den Export dieser Technologie ein entscheidender Fortschritt. Abgasfrei, fast geräuschlos und technisch zuverlässig - in China hat der Transrapid seine Alltagstauglichkeit bewiesen. Wirtschaftlich wird er wohl erst auf langen Strecken.

 

Vom Flughafen ging es nach zehn Stunden Flug für exakt 15 Minuten ins Hotel. Dort explodierte nur kurz mein Koffer, bevor wir zu unserem ersten Termin weiterfuhren: Die große Hamburger Architektensozietät Gerkan, Maag und Partner gab in Liang einen Überblick über eines der derzeit größten Städtebauprojekte. Liang ist der Tiefseehafen gleich bei Shanghai. Er wurde in den letzten Jahren zum weltweit drittgrößten Containerhafen der Welt ausgebaut. Damit wuchs aber auch der Bedarf an Wohnungen, Büros etc. Also baut man in 17 Jahren eine am Reißbrett entworfene Stadt für 800.000 Einwohner. Dieses Tempo ist rekordverdächtig. Davon kann man angesichts manch deutscher Genehmigungsverfahren und Einspruchsrechte manchmal nur träumen.

 

Allerdings hat dieses Tempo auch seine Kehrseite, denn erreicht werden können so schnelle Planungsprozesse nur unter Einschränkung von Persönlichkeitsrechten und Mitbestimmungsrechten. Oft werden für bauliche Großprojekte ganze Dörfer, Städte oder Stadtteile umgesiedelt und alte Bausubstanz dem Erdboden gleich gemacht. Allen wird das vom Drei-Schluchten-Damm und den Protesten, die es gegen das Projekt über Jahre gab, bekannt sein. Auch in Peking musste die Altstadt für Olympia weichen oder eben in Shanghai ein Stadtbezirk für die Expo 2010.

 

In Deutschland denken wir da viel stärker an die Bewahrung und den Erhalt unserer auch Kleine Pagode im Stadtpark von Suzhou Bilder kann vergrößert werden
Kleine Pagode im Stadtpark von Suzhou
architektonischen Vergangenheit. Im Anschluss an Liang besuchten wir Suzhou als Musterbeispiel des chinesischen Denkmalschutz'. Hier wird die Altstadt, werden Gärten und Kanäle, die so typisch für die traditionelle chinesische Stadtplanung sind, erhalten und restaurativ erhalten. Dieses Beispiel gab mir die Hoffnung, dass Projekte dieser Art demnächst öfter und vermehrt gefördert werden und sich damit gleichzeitig ein eigenes bürgerschaftliches Engagement entwickeln kann.

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