Politik legt liberale Bordell-Pläne auf Eis
FDP-Antrag zur Antoniusstraße abgeschmettert
Von Oliver Schmetz
Aachen. Sie ist ein städtebaulicher Schandfleck in bester Innenstadtlage, das bestreitet in der Politik kaum einer. Es muss dort dringend etwas passieren, das meinen mittlerweile auch fast alle. Doch so schnell wird sich in der Antoniusstraße grundlegend nichts ändern. Das Sträßchen, Aachens kurze Rotlichtmeile, wird erst einmal nicht verlagert. Das hat gestern der Planungsausschuss mit großer Mehrheit beschlossen. Lediglich die parteilose Ex-Sozialdemokratin Renate Coracino und die FDP-Ratsfrau Petra Müller stimmten dafür, die Verwaltung mit der Suche nach einem alternativen Bordell-Standort zu beauftragen.
Zumindest bei letzterer überraschte das nicht. Schließlich stammt der Vorstoß aus der Feder der Liberalen. Die fordern neben der städtischen Standortsuche für einen neuen Rotlichtbezirk. Müller schwebt da zum Beispiel ein Platz in der Nähe des Polizeipräsidiums vor auch
eine städtebauliche Planung für den Bereich Antoniusstraße/Büchel und die Auslobung eines Investorenwettbewerbs. Petra Müller betonte überdies, dass an einem neuen Standort auch die unzumutbaren Arbeitsbedingungen für die Prostituierten verbessert werden könnten.
Die Verwaltung bezeichnet den von der FDP vorgeschlagenen Einstieg in eine verbindliche Planung allerdings als verfrüht. Erst müsse das Büchel-Parkhaus abgerissen werden, dann die dort
geplante hochwertige Einkaufsgalerie Bel-Etage enstehen, um eine Impulswirkung auf die angrenzenden Flächen auszuüben. Wichtig sei auch eine attraktive Erschließung, etwa was die Wegeverbindung vom Büchel zur Kleinkölnstraße angehe.
Dort wolle man den Sperrbezirk deshalb so weit in die Antoniusstraße zurückdrängen, dass Passanten sich nicht mehr belästigt fühlen. Das Ordnungsamt prüfe dies zurzeit. Möglicherweise könne dieses Vorhaben auch durch eine Toranlage unterstützt werden, die als Sichtschutz an der Grenze errichtet werden könnte, so die Verwaltung.
Während SPD und CDU diesen Schritt für Schritt-Kurs und eine Verkleinerung des Bordellbereichs in der Antoniusstraße befürworteten, ist dies für die FDP nur eine Feigenblattlösung. Noch deutlichere Worte fand Hans-Dieter Schaffrath (FWG): Ein bisschen Puff ist wie ein bisschen schwanger. Das ist doch
Unsinn!?
Fr, 19. Jun. 2009 Aachener Zeitung






