Der Wald lebt
Die Wellen schlagen hoch. Jeden Tag neue Meldungen über Erderwärmung, Ansteigen des Meeresspiegels oder Wetterveränderungen. Doch solche Debatten gab es schon öfter: Mancher erinnert sich vielleicht an die Diskussion aus den 90er Jahren über das Ozon-Loch oder an die 80er Jahre. Die Zeitungen und Nachrichten waren voll mit Horrorszenarien über den Deutschen Wald. Kurz vor dem Sterben sei er und in einem Jahrzehnt wären die Bestände vernichtet. Auslöser waren Smog und Saurer Regen. Doch heute ist von Problemen mit dem Wald nichts mehr zu hören. Alles nur Budenzauber? Waren und sind das lediglich Schlagzeilen zur Steigerung der Verkaufszahlen?
Fakt ist: Der Wald war krank. Industrie- und Fahrzeugabgase, Saurer Regen und industrielle Bewirtschaftung haben dem Wald schwer zugesetzt. Heute sind 70% der Bäume kaum oder gar nicht mehr krank. Das aber ist eine Folge z. T. bewusst herbei geführter gesellschaftlicher Veränderungen: Mit einer strikt eingeleiteten Luftreinhaltungspolitik, die den Einbau von Kataysatoren für Kfz., die Einführung bleifreien Benzins und Rauchgas-Entschwefelung in Industrieanlagen vorschrieb. Desweiteren wurde erkannt, dass die Übersäuerung der Waldböden hauptursächlich für die Verschlechterung des Zustands der Wälder war. Auch hier wurden aus der naturwissenschaftlichen Expertise politische Schlussfolgerungen gezogen und gehandelt: Die Bodenschutz-Kalkung wurde eingeführt und wird bis heute betrieben, und die Forstwirtschaft wurde zu einem naturnahen Waldumbau angehalten.
Zu den Auswirkungen dieser Maßnahmen Prof. Dr. Johannes Eichhorn vom Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt Göttingen in einem ZDF-Interview vom 15.12.2009: "Das hatte zur Folge, dass die Säureeinträge wesentlich geringer geworden sind. Andererseits haben wir im Wald sehr viel getan. Wir haben den naturnahen Waldbau entwickelt, der sich an den natürlichen Prozessen orientiert. Und wir haben den Boden geschützt durch eine Bodenschutzkalkung. Das hat dazu beigetragen, dass sich der Saure Regen zum Glück viel weniger ausgewirkt hat, als man das [...] erwartet hat. Insofern ist es eine Erfolgsgeschichte."
Diesem Urteil kann man sich nur anschließen. Natürlich gab es darüber hinaus die Umweltentlastung begünstigende Faktoren, wie den Zusammenbruch der osteuropäischen Industrie. Und auch weiß man heute aus wissenschaftlicher Sicht mehr über natürliche Feinde des Waldes wie Trockenheit, Insekten oder Kälte. Auch das sind Gründe, weshalb heute konstant etwa 30% der etwa 34 Mrd. Bäume in Deutschland krank bzw. geschädigt sind.
Trotzdem zeigt das Beispiel Waldsterben, dass ohne das evidenzbasierte Handeln des Menschen Umweltveränderungen nicht bewältigt werden können. Wissenschaftliches Know-How, dezidierte Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins und politische Koordination und Lenkung waren damals erfolgreich und sind auch heute wieder dringend geboten. Nur so lassen sich die Folgen der Klimaveränderungen bewältigen.





