Petra-Mueller-FDP

19.04.2010

Besuch der ETH Zürich

Berlin, 19.04.2010 Auf Einladung des Lehrstuhlinhabers, Herrn Prof. Dr. Hansjürg Leibundgut, des Instituts für Technologie und der Architektur der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) besuchtet ich zusammen mit dem energiepolitischen Sprecher, Herrn Klaus Breil, das ETHZ am 19. Juli 2010. Anliegen dieser Reise war es, sich die neuen Lösungsansätze im Bereich der Gebäudetechnik, insbesondere die effiziente Versorgung von Gebäuden mit Energie erläutern zu lassen.

Prof. Dr. Hansjürg Leibundgut stellte seine lowEx-Theorie vor, deren Ziel der CO2-freie Betrieb von Gebäuden ist. Da die Hochschule Zürich der Professur zur Erforschung dieser Theorie zu äußerst günstigen Mietbedingungen ein Gebäude zur Verfügung stellt, kann diese Theorie auch direkt vor Ort geplant und in die Praxis umgesetzt werden. Das Wort „Ex“ steht für Exergie und soll auf den thermodynamischen Hintergrund der Betrachtung hinweisen. Prof. Leibundgut erläuterte am Beispiel der Wärmepumpe für die Erzeugung von Heizwärme die Unterscheidung Exergie als dem hochwertigen Teil der Energie und der Anergie, dem minderwertigen Teil der Energie. So erläuterte er, dass die im Erdreich vorhandene Temperatur sich als Reservoir für den Wärmepumpenprozess gut verwenden lässt. Die dort vorhandene Temperatur steht in Form von Anergie nahezu unbegrenzt zur Verfügung. Durch den Wärmepumpen-prozess ist nur noch ein kleiner Teil Exergie, z. B. Strom, notwendig, um die Erdwärme auf das benötigte Temperaturniveau für die Heizung zu heben. Mit anderen Worten: Der Verbrauch der Exergie muss optimiert werden, da deren Produktion zumeist mit CO2-Emissionen verbunden ist. Der lowEx-Ansatz bietet laut Leibundgut eine präzisere Betrachtung des Energiehaushaltes von Gebäuden. Da Energieeffizienz zur Reduktion von CO2-Emissionen führt, ist es also für Architekten und Planer von Bedeutung, die Exergie in Entwurf und Konzeption für Gebäude zu betrachten. Nur so ist das Balancieren zwischen Form, Konstruktion und technischer Systeme möglich. So könnte eine schlechtere Dämmung bei einem denkmalgeschützten Gebäude durch eine andere Maßnahme, z.B. durch die Erschließung einer geeigneten Anergie-Quelle, kompensiert werden.

Im Anschluss an die theoretischen Erläuterungen wurden die Versuchs- und Musterräume im Bürogebäude HPZ, das 1972 auf dem Hönggerberg gebaut und nunmehr seit 2010 in der lowEx-Version umgebaut wird, besichtigt. Zum Speichern von überschüssiger Solarenergie wurden auf dem Hönggerberg bereits vier große Erdspeicher erstellt, die ca. 200 Meter tief und aus ca. 100 Erdsonden bestehen. Diese Erdspeicher werden im Sommer mit Solarenergie über das Dach sowie der Solarstrahlung auf Fenster und warmer Außenluft gespeichert. Prof. Leibundgut erklärte, dass das Zusammenfassen der Sonden zu Feldern eine optimale Bewirtschaftung ermöglicht. Während die Erdspeicher im Sommer durch die Abwärme der bereits installierten Kältemaschinen geladen werden, können die gleichen Kältemaschinen künftig als Wärmepumpen betrieben werden.

Prof. Leibundgut ermöglichte darüber hinaus eine Besichtigung des Newtech-Club in Schlieren. Dort haben drei Jungunternehmer aus Deutschland Firmen gegründet, die die Theorien der ETHZ in ihren Unternehmen praxisnah umsetzen. Vorgeführt wurden folgende Technologien:

  • Digitalstrom als neue Technologie in der Elektroinstallation,
  • datenbankbasierte Gebäudeautomation sowie
  • dezentrale lowEx-Gebäudetechnik.

Die vorgeführten Praxisbeispiele machen deutlich, dass in Deutschland möglicherweise auch ein Umdenken im Bereich der Förderung der Gebäudesanierung sowie im Neubau erforderlich ist. Deutlich wurde vor allem, dass das Zusammenfassen mehrerer Gebäude bei der Versorgung mit Energie wesentlich effizienter sein dürfte als die Betrachtung des Einzelgebäudes.

Schließlich stellte Prof. Leibundgut das für die Forschung an der Professur für Gebäudetechnik der ETH Zürich entwickelte Computerprogramm „der Design Per-formance Viewer“ vor. Dieses ermöglicht Architekten und Planern auch in der frühen Entwurfsphase den Energie- und Exergieverbrauch sowie die resultierenden, energie-bezogenen Kosten ihrer Planung zu analysieren und als Parameter in das Gebäude-konzept einzubeziehen.

Führen diese Versuche zu positiven Ergebnissen, d.h. gelingt es, Gebäude ohne CO2-Emissionen zu betreiben, wäre das vor allem vor dem Hintergrund der Klimaschutzziele wohl ein weltweiter Durchbruch.

Die von Prof. Leibundgut vorgetragenen Erkenntnisse sollten auch in Deutschland nicht unbeachtet bleiben. Gemeinsam mit den Forschungspolitikern der Fraktion sollten Überlegungen dahingehend angestellt werden, wie auch in Deutschland neue Wege hinsichtlich der Einsparung von CO2-Emissionen im Gebäudebereich beschritten werden können.

Es sollte darüber nachgedacht werden, ob für interessierte Abgeordnete der FDP-Bundestagsfraktion eine Gegeneinladung von Herrn Prof. Leibundgut möglich und sinnvoll wäre, um von der eindimensionalen Betrachtung der Lösungen für Einsparungen von CO2-Emissionen im Gebäudebereich wegzukommen.


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